Unsere º£½ÇÖ±²¥ Story
Wie ein Quereinstieg in die Politik: Spring School im Mainzer Landtag bietet Perspektivwechsel


Drei Tage verbringen sie im Mainzer Deutschhaus, dem Sitz des Landtags von Rheinland-Pfalz – sie diskutieren in Ausschüssen, führen Fraktionssitzungen durch und erleben, wie Mehrheiten entstehen und wieder ins Wanken geraten: Über 30 Studierende der º£½ÇÖ±²¥ Kaiserslautern-Landau und der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz nehmen an einer gemeinsamen Spring School teil. Nicht nur ihr Blick auf die bevorstehende Landtagswahl habe sich dadurch erweitert, berichten die Teilnehmenden Lennard Reinke und Tabea Terbrüggen.
Als Lennard Reinke am Rednerpult im rheinland-pfälzischen Landtag steht, richten sich alle Blicke auf ihn: Das Mikrofon ist eingeschaltet, die Aufregung spürbar – aber er ist vorbereitet. „Die Situation war ungewohnt“, sagt er rückblickend, „aber ich habe mir ein paar Schlüsselsätze notiert und dann einfach angefangen. Plötzlich hat es richtig viel Spaß gemacht, da vorne zu stehen.“
Was wie parlamentarischer Alltag wirkt, ist Teil eines Planspiels: Über 30 Studierende der º£½ÇÖ±²¥ Kaiserslautern-Landau und der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz haben im Januar 2026 an der siebten Spring School teilgenommen, einer Kooperation des rheinland-pfälzischen Landtags und der Arbeitseinheit „Politisches System der Bundesrepublik Deutschland“ unter der Leitung von Professorin Manuela Glaab von der º£½ÇÖ±²¥.
Lennard Reinke gehört zu den Studierenden von der º£½ÇÖ±²¥: Er ist Lehramtsstudent im fünften Semester mit den Fächern Sozialkunde, katholische Religion und Geografie. Ebenfalls vonseiten der º£½ÇÖ±²¥ mit dabei: Tabea Terbrüggen, Lehramtsstudentin im dritten Semester mit den Fächern Sozialkunde und Deutsch.
Studierende übernehmen fiktive Abgeordneten-Rollen
Im Planspiel tauschen Tabea und Lennard ihren Hörsaal gegen den Plenarsaal: Dabei schlüpfen sie in politische Rollen mit einer klaren Position und Verantwortung. Zu Beginn des Planspiels erhalten alle Teilnehmenden eine entsprechend detaillierte Rollenbeschreibung mit biografischem Hintergrund und klarer Fraktionszugehörigkeit.
Kaum sind die Rollen verteilt, beginnt die Arbeit: Fraktionssitzungen, Ausschussberatungen, erste Koalitionsgespräche. Positionen werden abgestimmt, Strategien entwickelt. „Es war so ein bisschen wie ein Quereinstieg in das Leben eines Abgeordneten“, sagt Lennard Reinke.
Politik ist kein geradliniger Prozess – dies wird den Teilnehmenden schnell klar: „Dann gab es auch schon direkt Krach in der Koalition. Die einen wollten das, die anderen wollten etwas anderes“, berichtet Lennard Reinke. Zwischenzeitlich habe es sogar so gewirkt, als könne die fiktive Regierung scheitern. „Also musste alles erstmal besprochen werden.“
„Das war einfach extrem interessant, in diese Welt einzutauchen“
Auch Tabea Terbrüggen erlebt, wie intensiv Landespolitik sein kann. Sie übernimmt im Planspiel die Rolle einer geschäftsführenden Fraktionsbeauftragten einer fiktiven sozialdemokratischen Partei. Ihre Aufgabe ist es, die interne Abstimmung im Blick zu behalten und für Geschlossenheit zu sorgen. Doch in einer Ausschusssitzung kochen die Emotionen hoch: „Wir sind da wirklich tief in eine Debatte hereingerutscht“, sagt sie. „Da wurden wir schon sehr deutlich und andere mussten moderierend eingreifen.“
Lennard Reinke und Tabea Terbrüggen fällt auf: Was im Uni-Seminarraum theoretisch besprochen wird, bekommt hier eine ganz andere Dimension. „Das war einfach extrem interessant, in diese Welt einzutauchen“, sagt Tabea Terbrüggen. Im Studium seien landespolitische Inhalte zwar Thema, wie parlamentarische Abläufe konkret funktionieren, lasse sich allerdings schwer greifen. Genau das ändert sich in diesen drei Tagen.
Simulation unter realen Bedingungen
Dass das Planspiel im echten Landtag stattfindet, verstärkt den Eindruck. „Wir haben den Landtag für uns bekommen“, sagt Lennard Reinke. „Wir wurden zwar kontrolliert, aber danach waren wir im Deutschhaus. Und wie wir da weiterarbeiten, das war dann uns überlassen.“ Die Studierenden sitzen in den Ausschussräumen, in denen sonst Abgeordnete beraten. Sie betreten den Plenarsaal, stehen am Rednerpult. Auch Tabea Terbrüggen spürt den Unterschied. „Hätte das Planspiel an der Universität stattgefunden, hätte ich mich da bei Weitem nicht so gut reinversetzen können“, sagt sie. Der Ort verleiht der Simulation Ernsthaftigkeit.
Der gemeinsame Nenner ist nicht einfach zu finden
Mehrere Parteien bedeuten mehrere Perspektiven – das verinnerlichen die Teilnehmenden sehr schnell. Diskussionen seien nicht nur formale Abläufe, sagt Tabea, sondern Auseinandersetzungen mit unterschiedlichen Interessen. Lennard Reinke bestätigt das: „Es ist manchmal gar nicht so leicht, überhaupt auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.“
Blick auf komplexe Prozesse – dem Thema Landtagswahl nähergekommen
„Ich habe das Gefühl, dass ich diesem ganzen Thema Landtagswahl jetzt viel näher bin, weil ich besser nachvollziehen kann, wie die Arbeit abläuft“, sagt Tabea Terbrüggen. Die Begegnung mit Landtagspräsident Hendrik Hering im Rahmen des traditionellen Kamingesprächs habe diese Nähe verstärkt.
Überhaupt, mit Blick auf die Wahl am 22. März 2026 beobachten beide die Entwicklungen nun differenzierter: „Man versteht besser, was nach einer Wahl organisatorisch alles ansteht“, sagt Lennard Reinke. Denn Fraktionen müssen sich zunächst finden, Koalitionen gebildet, Ausschüsse besetzt werden. Was vorher wie ein formaler Ablauf wirkte, erscheint nun als komplexer Prozess aus Diskussion, Strategie und Kompromiss.
Haltung und Verständnis zeigen – ein Perspektivwechsel ist „erfrischend“
Ein Aspekt bleibt für Lennard Reinke rückblickend besonders prägend: der Perspektivwechsel. Es sei „erfrischend“ gewesen, eine Rolle zu vertreten, die man persönlich vielleicht nicht teile. „Sollte man im echten Leben auch manchmal machen, sich mal wirklich intensiv in die Position von anderen reinversetzen.“ Das bedeute nicht, die eigene Haltung aufzugeben. Aber es helfe, andere besser zu verstehen.
Auch Tabea Terbrüggen nimmt etwas mit, das über Fachwissen hinausgeht: „Das praktische Denken auf jeden Fall.“ Und eine gewachsene Diskussionsfähigkeit. Gute Argumente hätten unmittelbar Wirkung gezeigt.
Am Ende zieht Tabea Terbrüggen ein klares Fazit: „Es hat mir richtig viel gegeben. Nicht nur für mein Studium, sondern allgemein für mein politisches Verständnis.“ Auch Lennard Reinke blickt mit einem Lächeln zurück. Am Ende habe sich die Gruppe so in die Rollen eingefunden, „dass man das vielleicht sogar noch einen Tag länger hätte machen können“.
Drei Tage im Landtag haben aus Theorie Erfahrung gemacht. Aus Beobachterinnen und Beobachtern wurden Mitgestalter auf Zeit. Und aus parlamentarischen Begriffen wurde ein Verständnis dafür, wie Politik tatsächlich entsteht: Schritt für Schritt, Debatte für Debatte.



