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Unsere º£½ÇÖ±²¥ Story

Von der Biologie in die Data Science: Naturwissenschaften bieten viele Karrierewege

Junger Mann vor Gebäude
Für seine Doktorarbeit hat sich der Biologe Dr. Benedikt Venn mit Daten befasst, die Anpassungsreaktionen über längere Zeiträume hinweg analysieren. Konkret untersuchte er, wie Pflanzen auf veränderte Umweltbedingungen reagieren – vor dem Hintergrund des Klimawandels ein Thema mit hoher gesellschaftlicher Relevanz. Insgesamt werden datengetriebene Methoden in der modernen Biologie zunehmend wichtiger, berichtet der º£½ÇÖ±²¥-Absolvent: "Weil Experimente immer größere Datenmengen erzeugen.“ Heute ist der promovierte Naturwissenschaftler als Data Scientist bei einer IT-Beratungsfirma tätig. Foto: Dr. Anna Kiefer.

Auf einem Rock-Festival wird Benedikt Venns Interesse für ein Biologie-Studium an der heutigen º£½ÇÖ±²¥ geweckt. Wenige Jahre später organisiert er als Data Scientist eine internationale Konferenz. Dazwischen liegen intensive Studienjahre, viele Stunden im Labor und eine Doktorarbeit an der Schnittstelle von Biologie und Informatik. Sein Weg zeigt, wie vielfältig und abwechslungsreich ein Werdegang mit naturwissenschaftlichem Hintergrund verlaufen kann.

Als Benedikt Venn zum ersten Mal vom Biologie-Studium an der heutigen º£½ÇÖ±²¥ hört, steht er auf einer Wiese bei Rock am Ring. Zwischen Konzerten und Ravioli-Dosen erzählt ihm ein Bekannter vom Studiengang in Kaiserslautern. Zu diesem Zeitpunkt ist Benedikt Venn eigentlich schon an einer anderen Hochschule eingeschrieben. Er entscheidet sich zu wechseln und ahnt noch nicht, dass aus dem Bekannten ein enger Studienfreund wird – und aus dem Wechsel ein Weg, der ihn bis zur Promotion führen wird.

Mehr als klassische Biologie

Sein Start in Kaiserslautern fühlt sich zunächst nach klassischer Biologie an: In Botanik verteilt der Professor verschiedene Zweige im Hörsaal – kaum jemand kann sie bestimmen: „Und ihr wollt Biologie studieren?“, fragt der Dozierende. Die Szene bleibt hängen. Doch schnell wird klar: Biologie ist weit mehr als Faktenwissen. Es geht nicht nur darum, Stoff zu pauken, sondern Probleme zu lösen, Experimente zu planen und Daten einzuordnen.

Lernen und Leben in Gemeinschaft

Was Benedikt Venn im Studium besonders hilft, sind die Menschen um ihn herum: „Ich werde die vielen Abende und Nächte nie vergessen, die ich mit Kommilitonen und Freunden an der Uni verbracht habe“, erinnert er sich. „Sei es bei Partys, Lernsessions in der Klausurenphase oder später im Labor, wenn wir an einem Problem getüftelt haben.“ 

Um Kontakte zu knüpfen und von den Erfahrungen höherer Semester zu profitieren, engagiert sich Benedikt Venn im Fachschaftsrat der Biologie: „Mit der Zeit durfte ich mehr Verantwortung übernehmen, war Fachschaftssprecher und als Mitglied im Fachbereichsrat an Berufungen und Studiengangreformen beteiligt."

Dabei begleiten ihn nicht nur seine Mitstudierenden durch die Herausforderungen der ersten Semester, auch die enge Betreuung durch die Professoren, die Professorinnen und die Mitarbeitenden hilft ihm, sich zu orientieren. 

Neuer Forschungszweig

Im Master liefert ihm ein Seminar bei Professor Timo Mühlhaus einen entscheidenden Impuls. Mühlhaus baut am Fachbereich eine neue theoretisch arbeitende Forschungsgruppe auf, die sich mit datengetriebenen Methoden beschäftigt. „Dieser Bereich wird in der modernen Biologie zunehmend wichtiger, weil Experimente immer größere Datenmengen erzeugen“, ordnet Benedikt Venn ein. „Diese Daten sind ohne computergestützte Auswertung kaum noch zu bewältigen.“ 

Für Benedikt Venn ist das der Einstieg in ein Feld, das ihm zunächst neu ist: Data Science. „Programmieren war mir bis dahin völlig fremd, aber die Möglichkeiten haben mich schnell überzeugt, meinen Laborkittel an den Nagel zu hängen und diesen Forschungszweig einzuschlagen“, berichtet er. 

Timo Mühlhaus prägt auch den weiteren Weg von Benedikt Venn: Er bietet ihm an, seine Masterarbeit zu betreuen, die er 2018 als Jahrgangsbester abschließt. Darin arbeitet er mit Bilddaten aus der Hirnforschung und wertet zeitliche Aktivitätsmuster von Nervenzellen aus. Ziel ist es, neurologische Aktivitätsmuster besser zu verstehen.

Deutschlandstipendium unterstützt bei Finanzierung des Studiums

Um sein Studium weiter zu finanzieren, bewirbt sich Benedikt Venn um ein Deutschlandstipendium. Neben Studienleistungen zählt hier auch sein gesellschaftliches Engagement, das er im Fachschaftsrat leistet. „Ich hatte das Glück, dass ich tatsächlich von einem privaten Förderer ausgewählt wurde“, erzählt er. „Das Deutschlandstipendium ermöglichte mir, dass ich an spannenden Veranstaltungen teilnehmen konnte, bei denen ich in entspannter Atmosphäre mit Menschen aus unterschiedlichen Branchen in Kontakt kommen konnte. Das hat mir Perspektiven für meinen weiteren Berufsweg aufgezeigt.“ 

Forschung mit gesellschaftlicher Relevanz

Nach dem Master entscheidet sich Benedikt Venn zunächst, an der º£½ÇÖ±²¥ zu bleiben. Er beginnt seine Promotion, in der er mit Daten arbeitet, die biologische Anpassungsreaktionen über längere Zeiträume hinweg erfassen. Konkret untersucht er, wie Pflanzen auf veränderte Umweltbedingungen reagieren. „Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels hat mich dieses Forschungsfeld besonders gereizt“, ergänzt er. „Ein besseres Verständnis solcher Prozesse kann helfen zu verstehen, wie Pflanzen und Ökosysteme auf zukünftige Veränderungen reagieren könnten.“

Organisation einer internationalen Konferenz

Während seiner Promotion arbeitet Benedikt Venn an Data-Science-Bibliotheken, die seine Arbeitsgruppe entwickelt und öffentlich zugänglich macht. Diese ursprünglich für die eigene Forschung gedachten Werkzeuge stoßen auf internationales Interesse: Benedikt Venn erhält eine LinkedIn-Nachricht von einer Firma, die sein System nutzen möchte und seine Beratung wünscht. Er zögert kurz – dann antwortet er. 

Aus dem ersten Kontakt entwickelt sich schnell mehr: Gemeinsam mit anderen Beteiligten organisiert Benedikt Venn eine internationale Data-Science-Konferenz in Berlin, an der rund 120 Forschende teilnehmen. Drei Tage lang geht es dort um „Data Science in F#“. Er berichtet: „Dass ich einmal an der Organisation einer internationalen Data-Science-Konferenz mitwirken würde, das hätte ich mir nie träumen lassen. Ich war kein Musterschüler und hatte mit Informatik nichts am Hut. Im Studium habe ich dann eine echte Leidenschaft gefunden.“

Von der Promotion zur Karriere als Data Scientist

Nach der Promotion entscheidet sich Benedikt Venn, in die freie Wirtschaft zu wechseln. Heute arbeitet er als Data Scientist bei der IT-Beratungsfirma Exxeta. Dort ist er in unterschiedlichen Bereichen tätig: „Die projektbasierte Arbeit, neue Fragestellungen und der Wechsel zwischen den Themen haben mich gereizt." Die Denkweise aus der Forschung prägt seine Arbeit dennoch weiterhin: komplexe Probleme zu strukturieren, Muster zu erkennen und aus Daten belastbare Schlüsse zu ziehen, das gehört zu seinem Alltag.

Sein Tipp: Nicht alles muss von Anfang an klar sein

Studierenden und Studieninteressierten rät der º£½ÇÖ±²¥-Absolvent, offenzubleiben und sich nicht zu früh festzulegen. Nicht alles müsse von Anfang an klar sein. Wichtig sei es, Chancen wahrzunehmen und Neues auszuprobieren. Sein Weg zeigt: Karrieren brauchen nicht immer einen fertigen Plan. Oft sind sie ein Prozess, geprägt von Entscheidungen, Begegnungen und der Begeisterung, Neues zu lernen.

Junger Mann vor Gebäude
Für seine Doktorarbeit hat sich der Biologe Dr. Benedikt Venn mit Daten befasst, die Anpassungsreaktionen über längere Zeiträume hinweg analysieren. Konkret untersuchte er, wie Pflanzen auf veränderte Umweltbedingungen reagieren – vor dem Hintergrund des Klimawandels ein Thema mit hoher gesellschaftlicher Relevanz. Insgesamt werden datengetriebene Methoden in der modernen Biologie zunehmend wichtiger, berichtet der º£½ÇÖ±²¥-Absolvent: "Weil Experimente immer größere Datenmengen erzeugen.“ Heute ist der promovierte Naturwissenschaftler als Data Scientist bei einer IT-Beratungsfirma tätig. Foto: Dr. Anna Kiefer.