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Unsere º£½ÇÖ±²¥ Story

Für mehr Ernährungssicherheit: Kenianische Doktoranden forschen an der º£½ÇÖ±²¥

Zwei Menschen im Labor
Fatuma Fora und Henry Momanyi forschen in den Laboren der º£½ÇÖ±²¥. Foto: Miriam Tsolakidis
Mais mit Pilz-Befall
Ein Pilzgift belastet die Mais-Ernte in Kenia. Foto: Fatuma Fora
Landschaft in Afrika
Makueni County im Südosten Kenias: Der dortige rote Lehmboden speichert Feuchtigkeit besonders gut. Das macht ihn zu einem optimalen Nährboden für den Pilz und das von ihm produzierte Gift. Foto: Fatuma Fora
Bauern in Afrika
Fatuma Foras Arbeit baut auf zwei Säulen auf: Zum einen ist da die Analyse, die Forschung zum Verhalten der Aflatoxine. Darauf aufbauend schult sie aber auch Farmer, wie sie die Aspergillus-Belastung senken können. Ein Protagonist im Kampf für gesunde Böden sei das Aufbringen von Kompost, erklärt die junge Wissenschaftlerin. Foto: Fatuma Fora.

Die Doktoranden Fatuma Fora und Henry Momanyi kamen im September 2025 aus der kenianischen Hauptstadt Nairobi nach Landau, um für ein halbes Jahr ihre jeweiligen Forschungsprojekte voranzutreiben: Beide suchen nach Lösungen gegen krankmachende Pilzgifte, Aflatoxine, die in ihrem Heimatland massenhaft Böden und Grundwasser belasten. Hier berichten sie über ihre Forschung – erzählen, welche Eindrücke sie aus Deutschland mitnehmen und warum sie zum ersten Mal überhaupt Google Maps benutzen mussten.

„Daran beteiligt zu sein, den Menschen in meiner Heimat Hoffnung geben zu können und Lösungen zu entwickeln, macht mich stolz“, erklärt die junge Forscherin Fatuma Fora, die gemeinsam mit ihrem Doktoranden-Kollegen Henry Momanyi für ein halbes Jahr in den Laboren der º£½ÇÖ±²¥ experimentiert. Ein halbes Jahr Deutschland heißt für die beiden aber auch ein halbes Jahr ohne ihre Familie und ohne ihre Kinder: „Das ist schwer“, sagt Henry. „Wir sind zwar gewohnt, des Öfteren für längere Zeit von zu Hause zu Forschungszwecken wegzumüssen – aber ein halbes Jahr war es bislang noch nie.“ Beide sind sich jedoch darüber im Klaren, dass sie mit ihrer Forschung einen Teil dazu beitragen, eines der größten kenianischen Probleme zu lösen: Beide suchen nach Lösungen gegen krankmachende Pilzgifte, Aflatoxine, die in ihrem Heimatland Böden und Grundwasser belasten.

Trinkwasser und Böden sind betroffen

„Woher die Aflatoxine, also das Abfallprodukt des Pilzes Aspergillus kommt, bleibt eher eine Legende, als dass es wirklich belegbar ist“, sagt Fatuma. „Vor vielen Jahren fiel die kenianische Ernte einer Dürre zum Opfer. Mais musste zugekauft werden. In diesem Fall aus einem Land außerhalb Afrikas, wo die Pilzbelastung mit Aspergillus keine Rolle spielt. Die klimatischen Bedingungen boten ihm keinen Nährboden. In Kenia allerdings explodierte die Entwicklung“, so die junge Wissenschaftlerin über die nicht belegte Herkunft der hohen Aspergillus-Belastung in ihrem Heimatland. Henry ergänzt: „Das Schlimme ist, dass der Aspergillus sich in Kenia durch für ihn optimale klimatische Bedingungen, also feucht und warm, seinen Raum schafft.“ 

Kenia bietet dem Pilz optimale Bedingungen

Eben diese Bedingungen finden sich in vielen Teilen Kenias – besonders stark betroffen ist Makueni County. Der dortige rote Lehmboden in den Tieflagen speichert Feuchtigkeit besonders gut. Das macht ihn zu einem optimalen Nährboden für den Aspergillus und das von ihm produzierte Gift. Fatuma erklärt: „Wir haben in Kenia sehr unterschiedliche Bodentypen und jeder ist auf seine Art problematisch im Zusammenhang mit Aflatoxinen. Im Sandboden beispielsweise finden sie keinen Halt, weswegen dieser sich für meine Untersuchung nicht eignet. Aflatoxine werden mit dem Regenwasser direkt durchgespült ins Grundwasser. Am Sandboden ist also das Problem, dass er ursächlich dafür ist, dass Aflatoxine ins Grundwasser gelangen.“ 

Farmer werden zu Bodengesundheit geschult

Fatuma untersucht im Feld und im Labor, wie sich das Gift im Lehmboden verhält: Wie bewegt es sich? Wie verteilt es sich? Wie lange bleibt es aktiv? Ihre Arbeit baut auf zwei Säulen auf: Zum einen ist da die Analyse, die Forschung zum Verhalten der Aflatoxine. Darauf aufbauend schult sie aber auch kenianische Farmer, wie sie die Aspergillus-Belastung senken können. Diese didaktische Arbeit bildet die zweite Säule: „Meine Ergebnisse sind die Basis für Schulungskonzepte zur Bodengesundheit.“ Denn: „Gesunde Böden bedeuten gesunde Pflanzen. Und gesunde Pflanzen bedeuten gesunde Ernte.“ 

Was könnte hierbei ein Ansatz sein? Ein Protagonist im Kampf für gesunde Böden sei Kompost. Durch die biologischen Prozesse steigen lokal die Temperaturen im Boden – das macht die Bedingungen für den Aspergillus ungünstig. Kompost ist also ein natürlicher Gegenspieler gegen das Gift. Außerdem wird der Boden durch das Einbringen von Kompost mit etlichen weiteren Mikroorganismen angereichert, die den Aspergillus unter Konkurrenzdruck setzen. 

Ein anderer Pilz gegen das Gift?

Während Fatuma die Dynamik des Toxins im Boden analysiert, sucht Henry nach einem biologischen Gegenmittel. Seine Hypothese: Es gibt Pilze, die Aflatoxine abbauen oder neutralisieren können. Tatsächlich hat er eine vielversprechende Pilzkultur isoliert, die in kontaminierten Böden eine neutralisierende Wirkung zeigt. Um sie genauer zu charakterisieren, führt er in Kooperation mit dem Max Rubner-Institut in Karlsruhe DNA-Sequenzierungen durch. Molekulargenetische Analysen sollen klären, welches Potenzial in dem Organismus steckt. Beide Forschungsprojekte sind Teil des Projekts SolFOOD, eine deutsch-kenianische Forschungskooperation, die zum Ziel hat, die Lebensmittelsicherheit langfristig zu verbessern – wissenschaftlich fundiert und praxisnah.

„Wir brauchen kein Google Maps – wir haben Leute“

So ernst die Hintergründe ihres Aufenthaltes an der º£½ÇÖ±²¥ sind – für Fatuma und Henry bleibt Zeit, Land und Leute kennenzulernen. Fatuma lacht herzlich, als es darum geht, wo sie den größten Unterschied zwischen den Menschen in Kenia und den Menschen in Deutschland sieht: „In Kenia ist es üblich, bei Fragen nach dem Weg einfach jemanden anzutippen. Man kann sich sicher sein, dass einem geholfen wird oder die Person einen ein Stück in die jeweilige Richtung begleitet.“ Hier seien sie erst einmal aufgeschmissen gewesen. „Wir mussten Google Maps benutzen. Zum ersten Mal. In Kenia brauchen wir kein Google Maps – wir haben Leute“, sagt sie schmunzelnd. 

„In Deutschland sind die Menschen distanzierter zueinander“, ergänzt Henry und beschreibt damit eine der Herausforderungen, die ihnen der Alltag in Deutschland beschert. „Aber dafür schätzen wir sehr, wie regeltreu die Menschen in Deutschland sind“, so der vierfache Familienvater weiter – und erläutert dies anhand eines Beispiels: „In Nairobi hält sich niemand an die Verkehrsregeln. Besonders für Kinder macht das den Straßenverkehr sehr gefährlich.“ Fatuma, Mutter von drei Kindern, fügt hinzu: „Sind die Kinder unterwegs, habe ich immer Sorge, ob sie auch wieder heil nach Hause kommen.“ 

In Deutschland genießen Fatuma und Henry die vielen Brotsorten und können sich durchaus für die Pfälzer Küche erwärmen. An eines aber gewöhnen sie sich nicht, darin sind sich beide einig: das Südpfälzer Winterwetter. „Es ist sehr lange sehr grau“, lautet ihr Fazit nach dem Wintersemester.

Es geht um Ernährungssicherheit, Einkommensstabilität und Gesundheit

Doch zurück zu den Forschungsansätzen der beiden Doktoranden, die betonen: Alle Projekte im Kampf gegen Aflatoxine haben direkte Auswirkungen auf das Leben der Menschen in Kenia. Im Endeffekt gehe es um Ernährungssicherheit, Einkommensstabilität und Gesundheit. 

Zum Ende des Wintersemesters 2025/26 kehren Fatuma und Henry nach Kenia zurück – mit neuen Daten, neuen Methoden, neuen Ansätzen. Doch was sie mitnehmen, ist mehr als wissenschaftliches Know-how. Es ist die Erfahrung, dass internationale Zusammenarbeit konkrete Lösungen hervorbringen kann. Für Böden, für Ernten, für Trinkwasser.

Zwei Menschen im Labor
Fatuma Fora und Henry Momanyi forschen in den Laboren der º£½ÇÖ±²¥. Foto: Miriam Tsolakidis
Mais mit Pilz-Befall
Ein Pilzgift belastet die Mais-Ernte in Kenia. Foto: Fatuma Fora
Landschaft in Afrika
Makueni County im Südosten Kenias: Der dortige rote Lehmboden speichert Feuchtigkeit besonders gut. Das macht ihn zu einem optimalen Nährboden für den Pilz und das von ihm produzierte Gift. Foto: Fatuma Fora
Bauern in Afrika
Fatuma Foras Arbeit baut auf zwei Säulen auf: Zum einen ist da die Analyse, die Forschung zum Verhalten der Aflatoxine. Darauf aufbauend schult sie aber auch Farmer, wie sie die Aspergillus-Belastung senken können. Ein Protagonist im Kampf für gesunde Böden sei das Aufbringen von Kompost, erklärt die junge Wissenschaftlerin. Foto: Fatuma Fora.