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Unsere º£½ÇÖ±²¥ Story

Als Sozialwissenschaftler erfolgreich in der KI-Didaktik

Porträt eines Mannes
Der Sozialwissenschaftler Dr. Wolfgang König verbindet Bildung und Künstliche Intelligenz. Foto: Hoffmann Productions

Der Werdegang von Alumnus Dr. Wolfgang König zeigt eindrucksvoll, was Sozialwissenschaft leisten kann: Sie bildet keine Spezialistinnen und Spezialisten aus, sondern Menschen, die verstehen, wie Wissen entsteht, wie Lernen funktioniert und wie man Orientierung schafft, wenn sich Rahmenbedingungen permanent verschieben. Heute ist Wolfgang König ein Pionier der KI-Didaktik – bietet Lehrenden einen didaktischen roten Faden für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Lehre. Zwei zentrale Modelle hat er entwickelt: das Graue-Box-Modell der Chatbot-Didaktik und den KI-Lernfahrplan. Er sagt: „Ziel ist nicht, die Technik zu verstehen, sondern ihre Nutzung in Lernprozesse einzubetten“.

Seit einigen Jahren bereits beschäftigt sich Wolfgang König mit Künstlicher Intelligenz (KI), mit Lernen, mit Ausbildung – und mit den Missverständnissen, die neue Technologien regelmäßig begleiten. Sein Wissen teilt er unter anderem über . „Rund 10.000 Follower zeigen mir, wie groß der Bedarf hier ist.“ Er arbeitet als Experte für digitale berufliche Bildung beim Bildungswerk der Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern, entwickelt Konzepte für das Lernen mit KI und erreicht mit seinen Beiträgen ein großes Fachpublikum. Dass genau das einmal sein beruflicher Fokus sein würde, war nicht geplant. 

Sein Weg beginnt als Student in Landau - an der heutigen º£½ÇÖ±²¥. Was ihn an seiner Alma Mater besonders geprägt hat, war weniger ein einzelnes Thema als eine Haltung: „Als Geisteswissenschaftler ist es mir in Fleisch und Blut übergegangen, komplexe Muster zu erkennen und diese in eine Alltagstauglichkeit zu übersetzen“, sagt er. Eine zentrale Rolle spielte dabei sein Doktorvater Professor Ulrich Sarcinelli: „Er war – und ist – ein Profi darin, Komplexität zu reduzieren.“ Nicht im Sinne von Vereinfachung, sondern im Sinne von Struktur. Diese Fähigkeit wurde für ihn zu einem Handwerkszeug, das weit über die Universität hinaus nutzbar ist: ein Werkzeug für das verständlich machen komplexer Themen, ohne dabei an Präzision zu verlieren. „Es geht nicht darum, etwas herunterzubrechen“, erklärt König, „sondern darum, dass die Struktur erkennbar ist – damit andere wissen, wie sie weiterarbeiten können.“

Zwischen Forschung, Öffentlichkeit und Praxis

Seit Beginn seiner beruflichen Laufbahn bringt sich Wolfgang König an der Schnittstelle von Wissenschaft und Öffentlichkeit ein: Er arbeitete in Forschungsprojekten zu Bürgerbeteiligung und Kommunal- und Verwaltungsreform in Rheinland-Pfalz, beschäftigte sich mit politischer Kommunikation und der Frage, wie Menschen politische Prozesse wahrnehmen und verstehen. Social º£½ÇÖ±²¥ war dabei kein modischer Zusatz, sondern ein Forschungsfeld mit gesellschaftlicher Sprengkraft. „Mich hat interessiert, wie Öffentlichkeit heute funktioniert“, sagt er. Dazu gehörten Studien zur Mediennutzung, zur Demokratiekompetenz von Auszubildenden, aber auch Forschung zum TV-Duell im Bundestagswahlkampf. Parallel schrieb er als freier Journalist – eine Erfahrung, die seinen Blick auf Verständlichkeit weiter geschärft hat: „Wenn niemand versteht, was du meinst, hast du ein Problem. Egal, wie klug der Gedanke ist.“

„Für mich war KI ein Glücksfall“ – „Minimale Bordmittel, riesige Reichweite“ 

Als Künstliche Intelligenz mit ChatGPT plötzlich in der Breite ankam, war das für König kein radikaler Neuanfang, sondern eher eine logische Weiterführung seiner Arbeit. „Für mich war KI ein Glücksfall“, sagt er. „Minimale Bordmittel, riesige Reichweite.“ Vor allem aber: eine Technologie, die Fragen von Lernen, Wissen und Verstehen neu aufwirft. Sein Ansatz ist bewusst pragmatisch: „KI kann helfen – also muss sie benutzt werden.“ Verbote hält er für wenig hilfreich. Stattdessen plädiert er dafür, den Umgang mit der Technologie zu lehren. Lernen durch Anwenden, Ausprobieren und Reflektieren. Oder, wie er es selbst formuliert: „Vom Wiegen wird die Sau nicht fett.“

Zwei Modelle für das Lernen mit KI

Für König war von Anfang an klar: KI darf nicht nur Technikthema sein. Sie muss didaktisch strukturiert werden. Dafür entwickelte er zwei zentrale Modelle: das Graue-Box-Modell der Chatbot-Didaktik und den KI-Lernfahrplan. Beide Modelle sind inzwischen fester Bestandteil des Netzwerks Q*  und werden in der beruflichen Bildung eingesetzt.

Das Graue-Box-Modell: Chatbots wie ChatGPT arbeiten oft wie eine „graue Box“: Ihre internen Prozesse sind schwer durchschaubar. Das von Wolfgang König erarbeitete „“ bietet Lehrenden einen Rahmen, diese Technik didaktisch zu nutzen, ohne dass sie alles technisch erklären müssen. Das Modell verbindet Makrodidaktik – also die Einordnung ins Curriculum – mit Mikrodidaktik, also der konkreten Unterrichtsplanung, und ergänzt dies durch einen Chatbot-Doing-Kreislauf. Lernende stellen Fragen, interpretieren Antworten, reflektieren Ergebnisse. „Ziel ist nicht, die Technik zu verstehen, sondern ihre Nutzung in Lernprozesse einzubetten“, sagt König.

Ein Beispiel aus der Praxis: In einer Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik werden Chatbots eingesetzt, um Arbeitsanweisungen zu simulieren. Lernende formulieren Fragen, analysieren die Antworten des Chatbots und überprüfen diese mit realen Abläufen. Die KI dient so nicht als reines Tool, sondern als Reflexionspartner, der den Lernprozess aktiv unterstützt.

Der KI-Lernfahrplan: Der setzt noch früher an. Er strukturiert den gesamten Lernprozess von Beginn an und macht ihn für Lernende wie Lehrende transparent. Am Anfang stehen die Klärung der Rahmenbedingungen, Fragen des Datenschutzes, das Rollenverständnis sowie der konkrete Lernkontext. Darauf folgt die gemeinsame Zieldefinition: Was soll gelernt werden, welche Kompetenzen stehen im Vordergrund und wofür wird die KI eingesetzt? Erst dann beginnt die eigentliche Arbeit. Die Lernenden interagieren eigenständig mit der KI, formulieren Fragen, prüfen Antworten, reflektieren Zwischenergebnisse und entwickeln ihre Kompetenzen Schritt für Schritt weiter. Abschließend werden die Ergebnisse dokumentiert, ausgewertet und gemeinsam besprochen. Reflexion ist dabei kein nachgelagerter Zusatz, sondern integraler Bestandteil des Lernprozesses. „Der Lernfahrplan macht KI-Lernen nachvollziehbar und planbar“, erklärt König. „Es geht nicht darum, Technologie zu abstrahieren, sondern den Lernprozess sichtbar und steuerbar zu machen.“ In der Praxis ermöglicht dieses Vorgehen Auszubildenden, eigene Fragestellungen systematisch zu entwickeln, ohne sich von der Komplexität der KI überfordert zu fühlen.

Werkzeuge, um sich in komplexen Systemen zu orientieren

Durch Königs Arbeit zieht sich weniger die Technikbegeisterung, sondern vielmehr eine sozialwissenschaftliche Grundhaltung: Ihm geht es um Verständlichkeit, um Strukturen, um Werkzeuge, die Menschen an die Hand gegeben werden können, um sich in komplexen Systemen zu orientieren. Dass es sich bei diesem Werkzeug heute um KI handelt, ist für ihn kein Bruch, sondern eine konsequente Weiterentwicklung. 

 

* Das Netzwerk Q ist ein gemeinsames Projekt des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), der Bil­dungswerke der Wirtschaft und anderer Bildungsinstitutionen. Es wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). Es macht Berufsausbildende fit für den digitalen Wandel. Mit Weiterbildungen, Vorträgen und Workshops. Es stärkt die digitalen Kompetenzen für moderne Ausbildungsprozesse und zukunftsorientierte duale Ausbildungen. Wolfgang König ist Teil des „Netzwerk Q 4.0“ (). Zudem leitet er seit März 2026 den Weiterbildungsverbund „KI-Kompetenz“ in Mecklenburg-Vorpommern (kofinanziert von der Europäischen Union).

Porträt eines Mannes
Der Sozialwissenschaftler Dr. Wolfgang König verbindet Bildung und Künstliche Intelligenz. Foto: Hoffmann Productions