Wie Schule sensibilisieren kann: Tagung zu Antisemitismus und Demokratie bringt Forschung, Schule und Praxis zusammen
Antisemitismus tritt nicht nur in politischen Debatten oder sozialen Medien auf – auch Schulen sind damit konfrontiert. Wie Lehrkräfte sensibel und wirksam damit umgehen können und welche Rolle antisemitismuskritische Bildung für eine lebendige Demokratie spielt, steht im Mittelpunkt der Tagung „Antisemitismuskritische Bildung in der (Grund-)Schule: Strukturen, Forschung, Praxis“ am 23. März an der º£½ÇÖ±²¥ Kaiserslautern-Landau.
Die Tagung beleuchtet verschiedene Erscheinungsformen von Antisemitismus und zeigt Wege auf, wie vorbeugende und vermittelnde Ansätze in Schulen verankert werden können. Sie verknüpft wissenschaftliche Impulse, praxisnahe Workshops und Austauschformate und bringt Akteurinnen und Akteure aus Forschung, Lehrkräftebildung, Schule und zivilgesellschaftlichen Organisationen miteinander in Dialog.
Antisemitismus gilt als besondere Herausforderung für demokratische Gesellschaften. „Der Umgang mit Antisemitismus ist ein Lackmustest für den Schutz von Minderheiten und damit auch für die Stabilität einer Demokratie“, betont Miriam Leuchter, Professorin für Grundschulpädagogik mit Schwerpunkt Sachunterricht an der º£½ÇÖ±²¥ und eine der Organisatorinnen der Tagung. Gerade in Schulen sei es deshalb wichtig, früh ein Bewusstsein für demokratische Werte, Vielfalt und Respekt zu vermitteln.
Antisemitischen Stereotypen im Alltag begegnen
Antisemitische Inhalte begegnen Kindern und Jugendlichen heute nicht nur im Geschichtsunterricht. Sie tauchen auch in digitalen Räumen auf – etwa in Form von Memes oder verkürzten Darstellungen auf Social º£½ÇÖ±²¥. Häufig sei vielen Menschen gar nicht bewusst, welche Bilder oder Aussagen antisemitische Stereotype transportieren und welche Folgen dies für jüdisches Leben und das gesellschaftliche Miteinander haben kann, so Leuchter. Lehrkräfte stehen oft vor der anspruchsvollen Situation, dass antisemitische Codes nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Zudem gibt es Unsicherheiten, wie Inhalte altersgerecht, sensibel und fachlich fundiert vermittelt werden können, ohne zu überfordern oder unbeabsichtigt problematische Darstellungen zu reproduzieren.
Die Tagung will deshalb nicht nur informieren oder einfache Handlungsanleitungen mit auf den Weg geben. Stattdessen schafft sie Reflexionsräume, um für das Thema zu sensibilisieren, Handlungsoptionen zu diskutieren und geeignete Materialien zu sichten. Wie äußert sich Antisemitismus heute? Welche Formen nimmt er im schulischen Alltag an? Und wie können Lehrkräfte sensibel reagieren, wenn antisemitische Aussagen im Klassenzimmer fallen?
Forschung, Praxis und Lehrerbildung im Austausch
Die Tagung bringt Forschende, Lehrkräfte, Lehramtsstudierende und Bildungsverantwortliche zusammen. Neben Fachvorträgen stehen praxisnahe Workshops und Austauschformate auf dem Programm. Themen sind unter anderem Strategien für den Umgang mit antisemitischen Äußerungen in der Schule oder Materialien für eine altersgerechte Auseinandersetzung im Unterricht.
Impulse kommen sowohl aus der Wissenschaft (zum Beispiel aus dem Projekt „Decoding Antisemitism“ der TU Berlin) als auch aus Praxisorganisationen, darunter Yad Vashem, der Zentralrat der Juden in Deutschland und das Anne Frank Zentrum in Berlin.
Demokratiebildung als Aufgabe der Lehrkräftebildung
An der º£½ÇÖ±²¥ ist Demokratiebildung ein wichtiger Bestandteil der Lehrkräftebildung. In Seminaren für angehende Grundschullehrkräfte werden Themen wie gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Antiziganismus oder Antisemitismus aus soziologischer Perspektive behandelt.
„Unsere Studierenden haben später in der Schule die Aufgabe, Kindern grundlegende demokratische Werte zu vermitteln“, betont Miriam Leuchter. „Gerade deshalb müssen sie wissen, wie Vorurteile entstehen, wie Diskriminierung funktioniert – und wie man reflektiert damit umgeht. Deshalb nehmen an diesen Seminaren auch alle Grundschullehramtsstudierenden in Landau verpflichtend teil.“
Die große Nachfrage nach der Veranstaltung zeigt, wie hoch der Bedarf an Austausch und Orientierung in diesem Bereich ist. Die Tagung ist mit rund 180 Teilnehmende aus Wissenschaft, Schule und Bildungspraxis ausgebucht.
Die Tagung wird unter anderem unterstützt von der Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Bildungsministerium Rheinland-Pfalz, der Landeszentrale für politische Bildung und mehreren evangelischen Landeskirchen. Organisiert wird sie von der º£½ÇÖ±²¥ Kaiserslautern-Landau, dem Erziehungswissenschaftlichen Fort- und Weiterbildungsinstitut der Evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz (EFWI) und dem Zentralrat der Juden in Deutschland. Nähre Informationen zum Programm gibt es auf der .
Fachlicher Kontakt:
Institut für Bildung im Kindes- und Jugendalter
Prof. Dr. Miriam Leuchter
Miriam.leuchter[at]rptu.de
Pressekontakt:
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Kerstin Theilmann
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