Tagungsbericht: Junge Pal盲stinenser im Libanon und die Herausforderung der Partizipation
Von Julia Renner
Vom 29.01. 2019 bis 02.02.2019 war Julia Renner 鈥 Associate der Friedensakademie Rheinland-Pfalz 鈥 von der GIZ und der EU auf die Konferenz 鈥濸alestinian Youth in Lebanon: the Quest for Participation鈥 nach Beirut eingeladen. In diesem Tagungsbericht schildert sie ihre Eindr眉cke.
Junge Menschen werden als Motor von kreativen Prozessen und Ver盲nderungen angesehen, die sich positiv auf die soziale und politische Entwicklung auswirken. Allerdings erfahren sie oft Widerstand von etablierten politischen Akteuren, wenn es darum geht, sich proaktiv in sozio-politische Prozesse einzubringen. Ungeachtet der hochkomplexen politischen Situation im Nahen Osten, nutzen junge Pal盲stinenser, die im Libanon leben, die ihnen zur Verf眉gung stehenden R盲ume, um sich politisch zu engagieren. Die verschiedenen Initiativen und Programme, die auf der Konferenz vorgestellt wurden, bieten jungen Menschen im Allgemeinen, und speziell Pal盲stinenser*innen die M枚glichkeit, als gleichwertige Akteure in der Region wahrgenommen zu werden. Ziel ist es, ihnen im tagesaktuellen politischen Geschehen aber auch mit Blick auf zuk眉nftige Entscheidungen eine Stimme zu geben.
Die in Beirut veranstaltete Konferenz 鈥濸alestinian Youth in Lebanon: the Quest for Participation鈥 wurde von der Gesellschaft f眉r Internationale Zusammenarbeit und der Europ盲ischen Union ko-finanziert und gemeinsam veranstaltet. Das Ziel der Konferenz war es, nationale und internationale Entscheidungstr盲ger und Interessensvertreter mit jungen Pal盲stinensern*innen, die im Libanon leben, zusammenzubringen. Im Rahmen von Panel-Diskussionen und Workshops wurde versucht, Schnittmengen gemeinsamer Interessen zu bestimmen, um Handlungsempfehlungen f眉r eine Arbeitsmarktintegration sowie eine bessere Beteiligung an sozialen und politischen Prozessen zu formulieren. Eine weitere Zielsetzung der Konferenz bestand darin, Raum zum Austausch zu geben, um durch die Vorstellung von bereits erfolgreichen Partizipationsgeschichten andere Teilnehmende zu motivieren, ihr eigenes Potential zum gesellschaftspolitischen Engagement zu nutzen.
Partnerschaft auf Augenh枚he
In seiner Er枚ffnungsrede unterstrich Dr. Georg Birgelen, der deutsche Botschafter zum Libanon, dass junge Menschen als Partner verstanden werden sollten, mit denen auf Augenh枚he zusammengearbeitet wird. Dieser Gedanke diente im Folgenden als Leitmotiv f眉r den weiteren Konferenzablaufes. Robert Krengel, der Leiter der Abteilung der MENA-Region der EU Delegation im Libanon, unterstrich die Bedeutung eines direkten Dialoges mit jungen Menschen, anstatt eines Dialoges 眉ber junge Menschen. Die Direktorin der GIZ im Libanon betonte das Potential junger Bev枚lkerungsschichten als Triebfaktor gesellschaftlicher Erneuerung und Ver盲nderung.
In den Panels wurden zum einen vielseitige weltweite Fallbeispiele der Integration junger Menschen in politische Prozesse und Friedensbildungsmissionen diskutiert. Zum anderen wurden aktuelle Schwierigkeiten bei der Integration von Pal盲stinensern*innen in Bildungs- und Arbeitsmarktprogramme, sowie im Bereich politischer und zivilgesellschaftlicher Entscheidungsprozesse im Libanon thematisiert. W盲hrend der Paneldiskussionen wurde wiederholt die Wichtigkeit betont, die Reichweite der Einbeziehung junger Menschen zu erh枚hen, sowohl auf nationaler Ebene im Libanon als auch auf der regionalen Ebene im Nahen Osten. Raphael Obonyo, Initiator des Youth Congress Kenia, fasste diese Aussagen w盲hrend seines Statements sehr gut zusammen: 鈥瀒f you want to go fast, go alone; if you want to go far, go together.鈥
Im Rahmen der Panels und der im Anschluss stattgefundenen Diskussionsrunden wurde deutlich, dass zwar alle Teilnehmer*innen sich f眉r Dialogforen und verbesserte Rahmenbedingungen f眉r die Einbindung junger Menschen in den gesamtpolitischen Prozess aussprachen. In Bezug auf die konkrete Umsetzung gingen die Interessen der verschiedenen teilnehmenden Gruppen jedoch stark auseinander.
In den am zweiten Konferenztag angebotenen Workshops wurden unter anderem thematische Verkn眉pfungen vom Engagement junger Menschen bei der Ausformulierung der Jugendstrategie 2019-2025 durch verschiedenen Arten von Konsensentscheidungen hergestellt und M枚glichkeiten der erh枚hten Beteiligung junger Menschen an der Arbeit des Hilfswerkes der Vereinten Nationen f眉r Pal盲stina-Fl眉chtlinge im Nahen Osten gesucht. Weitere Workshops besch盲ftigten sich mit der Integration junger Menschen in die Arbeitsabl盲ufe und Programme der Pal盲stinensischen Befreiungsorganisation (PLO) sowie der Beziehung internationaler Akteure zu Pal盲stinensern*innen im Libanon und der Region. Die Teilnehmenden erarbeiteten konkrete Ideen f眉r eine bessere Partizipation sowie Politik-Empfehlungen. Diese wurden im abschlie脽enden Panel vorgestellt und mit den politischen Entscheidungstr盲gern diskutiert.
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Die Konferenz 鈥濸alestinian Youth in Lebanon: the Quest for Participation鈥 hat einen wichtigen Beitrag zur besseren Wahrnehmung der Bed眉rfnisse und Interessen der pal盲stinensischen Jugend im Libanon sowie der M枚glichkeiten und Grenzen, diese umzusetzen aufgezeigt. Der Teilnehmer*innenkreis spiegelte das Anliegen der Konferenz wider: Vielfalt zu ber眉cksichtigen und vor allem jungen Menschen aus politischen Organisationen und der Wissenschaft, aber auch Aktivist*innen und zivilgesellschaftlichen Akteuren einen gemeinsamen Raum zum Austausch zu bieten. Die Diskussionen zwischen Teilnehmenden haben vor allem den Wunsch junger Menschen im Nahen Osten nach sicheren R盲umen zum Austausch und direkten Gespr盲chsforen deutlich werden lassen. Die UN-Resolution 鈥 fordert Gesellschaften auf, jungen Menschen mehr politischen Raum zu geben. Zur Gestaltung zukunftsf盲higer politischer, wirtschaftlicher und sozialer Prozesse, auch im Rahmen von Friedensbildungsmissionen, ist die intensivere Beteiligung junger Menschen unerl盲sslich.
脺ber die Autor*innen

Julia Renner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin an der Universit盲t Koblenz-Landau. In ihrer Forschung besch盲ftigt sie sich mit Ressourcenkonflikte, vor allem um Wasser, in Ostafrika. Dazu forscht sie derzeit in Kenia und Uganda. Julia Renner ist mit der Friedensakademie RLP affiliiert und Mitglied der Forschungsgruppe Landnutzungskonflikte an der Universit盲t Koblenz-Landau. Sie ist Sprecherin der Nachwuchsgruppe der Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung.

